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Von Karthago ausgehenden Koloniegründungen an der Westküste Nordafrikas zeugt der so genannte Periplus Hannonis. Der griechische Text basiert auf einer phönizische Weiheinschrift, die sich in einem Tempel des punischen Baal (Baal Hammon) befand. Er zeugt von Karthagos Bestrebungen Ansiedlungen in Westafrika zu erweitern oder neu zu gründen sowie von Expeditionsfahrten entlang der Atlantikküste, die wahrscheinlich bis in den Golf von Guinea führten. Hanno stand an der Spitze dieser Unternehmungen, die zeitlich in dem letzten Drittel des 6. Jahrhunderts, spätestens wohl um 500 v. Chr. einzuordnen sind.
Sufet Hanno.
Im Periplus wird Hanno als Sufet genannt, als hochrangigen Richter des Staatswesens. Über seine Person liefert die antike Literatur keine weiteren Hinweise.
Quellentexte
Kenntnisse über die Fahrten des Karthagers Hanno entlang der Atlantikküste Afrikas verdanken wir dem Erhalt einer griechischen Handschrift des 9. Jh. Die Handschrift trägt die Nennung Codex Palatinus Graecus (Pal. Gr. 398, fol. 55r - 55v) und wird in der Universitätsbibliothek Heidelberg aufbewahrt. Auf zwei Seiten (fol. 55r-55v) steht der als Periplus Hannonis bekannt gewordene Fahrtenbericht. Ob es sich dabei um eine direkte Übersetzung der punischen Inschrift handelt ist umstritten. In dem 2. Jahrhundert gab es offenbar vollständigere Fassungen des Berichts über Hanno, die sich aus römischer Literatur des 2. Jahrhunderts ableiten lassen.
Einzelheiten zu dem Kodex siehe: A. v. Gutschmid, Die Heidelberger Handschrift der Paradoxographen. In: Neue Heidelberger Jahrbücher 1 (1891) 227-237.
Vom Kodex existiert eine Abschrift aus dem 14. Jahrhunderts. Teile davon verwahrt die Bibliothèque National in Paris. Weitere 21 Blätter befinden sich in dem British Museum London, darunter Blatt 12, beidseitig beschrieben, mit dem Periplus. Wesentliche Unterschiede zu dem Heidelberger Text bestehen nicht.
Textausgaben.
Der griechische Text wurde seit dem 16. Jh. mehrfach in Druck gegeben und übersetzt, erstmals von Sigismund Gelenius (1497 - 1554). Seine Editio princeps mit dem Periplus Hannonis (S. 38-40) erschien 1533 in Basel. Eine wissenschaftliche Edition erfolgte in dem 19. Jahrhundert durch Carolus Müller, Geographi Graeci Minores 1, S. XVIII-XXXIII und 1-14, Paris 1855 (Reprint Hildesheim 1965). Übersetzungen in das Deutsche erschienen 1944 und 1957.
Einen Gegenüberstellung des griechischen und neu übersetzten deutschen Textes fand Eingang in die Gesamtausgabe C. Plinius Secundus d. Ä., Naturkunde lateinisch - deutsch, Buch V. München, Artemis, 1993. Die daraus entnommene Übersetzung von Karl Bayer lautet:
"Hanno, des karthagischen Sufeten Bericht von der Umsegelung der jenseits der Säulen des Herakles liegenden libyschen Teile der Erde, den er auch in dem Tempelbezirk des Kronos als Weihegabe aufgestellt hat; er tut darin folgendes kund:
1. Die Karthager beschlossen, daß Hanno über die Säulen des Herakles hinausfahren und Städte der Libyphoiniker gründen solle. Und so stach er in See, an der Spitze von 60 Fünfzigruderern, und führte eine Menge von Männern und Frauen, 30 Tausend an der Zahl, sowie Verpflegung und sonstigen Bedarf mit sich.
2. Als wir aber auf die hohe See gelangt waren, passierten wir die Säulen, segelten draußen zwei Tage weiter und gründeten eine erste Stadt, die wir Thymiaterion nannten; sie beherrschte eine weite Ebene.
3. Sodann segelten wir nach Westen und trafen auf das mit Bäumen bestandene libysche Vorgebirge Soloeis.
4. Wir errichteten dort ein Heiligtum des Poseidon, gingen wieder an Bord und nahmen Kurs nach Süden, einen halben Tag lang, bis wir an einen See gelangten, der nicht weit vom Meere lag; er war voll mit dichtem, hochgewachsenem Schilf; in ihm hielten sich auch Elefanten auf und andere dort weidende Tiere in großer Zahl.
5. Wir verließen diesen See, fuhren eine ganze Tagereise weiter und besiedelten dann Städte am Meer, welche Karikon teichos, Gytte, Akra, Melitta und Arambys hießen.
6. Nachdem wir von da aufgebrochen waren, gelangten wir an den großen Fluß Lixos, der von Libyen herströmt. An ihm weidete ein Nomadenvolk, die Lixiten, seine Herden; bei ihnen blieben wir einige Zeit, da wir uns angefreundet hatten.
7. Hinter diesen siedelten ungastliche Aithiopen, die ein wildes Land beweideten, das durch hohe Bergzüge zergliedert wird. Aus diesen Bergen fließe – so sagt man – der Lixos; rings um diese Berge aber wohnten sonderbar aussehende Menschen, die Troglodyten, von denen die Lixiten behaupteten, sie könnten schneller laufen als Pferde.
8. Wir ließen uns von ihnen Dolmetscher geben und segelten dann an einer menschenleeren Wüste entlang nach Süden, zwei Tage lang; von da aber wieder gegen Osten hin, eine Tagefahrt weit. Dort fanden wir in dem Winkel einer Bucht eine kleine Insel; sie hatte einen Umfang von fünf Stadien. Auf ihr gründeten wir eine Siedlung, die wir Kerne nannten. Aus unserer Fahrtroute erschlossen wir, daß es exakt gegenüber von Karthago liegen müsse; denn die Fahrtstrecke von Karthago bis zu den Säulen entsprach der von dort bis Kerne.
9. Von da gelangen wir an einen See, nach dem wir einen großen Fluß mit Namen Chremetes durchfahren hatten. In diesem See aber lagen drei Inseln, die größer waren als die von Kerne. Von ihnen aus legten wir eine Tagefahrt zurück und kamen in den Winkel des Sees, über den sehr hohe Berge hereinragten, die voll wilder Menschen waren, die sich in Tierfelle gehüllt hatten; sie warfen mit Felsbrocken, verjagten uns und ließen uns nicht an Land gehen.
10. Wir segelten von dort weiter und kamen an einen anderen Fluß, der groß und breit war und von Krokodilen und Flußpferden ca. so wimmelte. Dort drehten wir um und gelangten wieder nach Kerne zurück.
11. Von dort segelten wir zwölf Tage nach Süden, stets unter der Küste, die in ihrer ganzen Länge Aithiopen bewohnten; diese nahmen vor uns Reißaus und blieben nicht da. Sie sprachen eine Sprache, die auch die Lixiten, die mit uns fuhren, nicht verstehen konnten.
12. Am letzten Tage nun ankerten wir bei hohen, dicht bewaldeten Bergen. Das Holz der Bäume war wohlriechend und von verschiedenen Farben.
13. Wir segelten um diese Berge herum, zwei Tage lang, und gelangten an eine unermeßlich weite Meeresfläche. Auf der einen Seite davon war zu dem Land hin eine Ebene, von der wir nachts überall Feuer aufsteigen sahen, bald in größeren, bald in engeren Abständen.
14. Wir nahmen Wasser an Bord und segelten von da fünf Tage weiter an der Küste entlang, bis wir in eine große Bucht gelangten, von der die Dolmetscher sagten, sie heiße 'Horn des Westens' (Hespérū Kéras). In dieser Bucht lag eine große Insel, und auf der Insel ein See mit Salzwasser; in ihm aber lag eine weitere Insel, bei der wir an Land gingen; wir sahen jedoch bei Tag nichts außer Wald, nachts aber zahlreiche Feuerbrände, und hörten den Klang von Flöten, das Gedröhne von Zimbeln und Trommeln sowie tausendfältiges Geschrei. Da ergriff uns Furcht, und die Seher hießen uns, die Insel zu verlassen.
15. Rasch fuhren wir ab und kamen an einem Land vorbei, das von Feuer durchglüht und voll von Rauch war. Riesige Feuerbäche stürzten aus ihm in das Meer. Den Boden aber konnte man vor Hitze nicht betreten.
16. Voller Furcht segelten wir auch von da schnell wieder ab. Vier Tage lang dahinfahrend, sahen wir nachts das Land von Flammen erfüllt. In der Mitte aber war ein steil aufsteigendes Feuer, größer als alle anderen, das – wie es schien – die Sterne in Brand setzte. Am Tage aber zeigte es sich als ein sehr hoher Berg, 'Götterwagen' (TheÅ?n ÓchÄ“ma) genannt.
17. Drei Tage lang segelten wir von dort an feurigen Sturzbächen entlang und gelangten dann an eine Bucht, die 'Horn des Südwinds' (Nótū Kéras) hieß.
18. In dem Winkel lag eine Insel, die der ersten glich und ebenfalls einen See aufwies. Und in diesem See lag eine weitere Insel, voll von wilden Menschen. Es waren überwiegend Weiber, die am ganzen Körper dicht behaart waren; die Dolmetscher nannten sie gorÃllai. Wir verfolgten sie, konnten aber keine Männer fangen; sie entwischten alle, weil sie ausgezeichnete Kletterer waren und sich mit Felsbrocken zur Wehr setzten; Weiber aber fingen wir drei ein; sie bissen und kratzten und wollten denen, die sie führten, nicht folgen. Daher töteten wir sie, zogen ihnen die Haut ab und brachten die Bälge nach Karthago mit.
Dann segelten wir von da aus nicht mehr weiter voran, da unsere Lebensmittelvorräte zur Neige gingen."
Seiner hier zitierten Übersetzung fügt Karl Bayer ausführliche Erläuterungen an (S.346-353). In dem anschließenden Beitrag geht Werner Huß einschränkend darauf ein (S.354-359). Unterschiedliche Meinungen bestehen über die Datierung des uns überlieferten Fassung des Periplus Hannonis.
Buch-Tipp: Das Schwert von Karthago. feine Krimi Fingerübung Das ist ein schönes Freizeitvergnügen, nett geschrieben und amusant. Auch Spitzenautoren wie Haefs liefern wohl mal `ne Fingerübung ab. Seine großen Titel wie Hannibal, Troja und Alexander spielen da schon in einer anderen Liga. Aber damit wir uns nicht mißverstehen - daß dieser Krimi nicht so gut ist, heißt nicht... |